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1
Dez
2006

Holtzbrinck, Angst, Gratisangebote, Lösung

Angeblich geht es der Wirtschaftswoche und dem Handelsblatt nicht so gut. Das steht zumindest im Manager Magazin. Zu welchem Club gehört eigentlich das Manager Magazin?

Ursache der aktuellen Krise ist nicht, wie 2001, ein Kollaps der Werbemärkte, sondern die Angst, die nächste nicht zu überstehen: Die Stammgeschäfte sind in Gefahr, bedroht vom Internet, das Werbekunden und Publikum ködert.

Ich glaube, die sollte mal endlich ihre tollen Geschäftsmodelle zum Laufen bekommen. Anscheinend werden da aber kaum große Deals zu machen sein. Zumindest habe ich bei so manchen Projekten das Gefühl, dass wird nie was großes werden. Nicht groß genug für Holtzbrinck. Geht alles so in die Richtung "probieren wir mal aus" oder wie eine Designstudie. Außerdem gehört es nicht zum Kerngeschäft. Was wollen Schreiberlinge mit so ollen Online-Applikationen?

Vor Angst, die zahlende Kundschaft zu verlieren, werden immer neue Gratisangebote erfunden. Was einem Selbstmord aus Angst vor dem Tod täuschend ähnlich sieht.

Leute, was macht ihr eigentlich den lieben langen Tag? Natürlich funktioniert das so nicht. Muss man sich halt überlegen, wie man aus Scheiße Gold, äh Geld, machen kann. Denke ich täglich drüber nach und manchmal setzt ich sowas auch um. Und wenn ich mir die Inhalte nicht jedesmal aus den Rippen schnitzen müsste, dann würde ich das noch öfter machen.

So entstanden bei mir in den letzten Jahren massig Inhalte zu mehreren ganz bestimmten Themen. Bisher alles kostenlos abrufbar ins Netz gestellt, Werbung drauf geknallt und regelmäßig gepflegt.
Feedback von den Nutzern kommt auch öfters, die findens geil. So, was macht man nun damit? Die Inhalte sind sehr speziell. Ich möchte nicht näher drauf eingehen. Egal. Gedruckt werden soll es, auf Papier. Von wegen Print ist tot. Die Leser wollen und brauchen es. Aber nicht einfach so als Buch, sondern in einem bestimmten Format: DIN A4 und als Ringbuch. Weil es an einem Ort genutzt (!) und gelesen wird, an dem nicht viel Platz ist. Die üblichen Bücher zu dem Thema sind nicht besonders praktisch. Funktioniert nicht, wenn man eine bestimmte Seite aufgeschlagen neben sich haben will. Also, vom Inhalt auf die Nutzungsweise des Lesers das Format bestimmt. Und weil das nicht teuer (Zielgruppe Schüler und Azubis, haben kein Geld), also nicht dick sein darf, wird es zu verschiedenen Themen je ein Ringbuch geben. Geben tut es das noch nicht, aber geplant ist es für nächstes Jahr. Und ich weiß, es wird ein Erfolg. Der Inhalt stimmt und das Buch-Format passt zur Art und Weise wie der Inhalt gebraucht wird. Die Zielgruppe wirds ansprechen. Ich war auch mal einer davon.

Übrigens der Inhalt der Ringbücher ist der gleiche, wie er jetzt schon im Netz zu finden ist (kostenlos). Wer das Premium-Produkt braucht, der muss dann halt dafür zahlen.

Irgendwelche Fragen?
hhenn - 4. Dez, 18:29

Apple Handbuch als Ringbuch

Das mit dem Ringbuch kann ich nur bestätigen. Der 1. Apple Computer kam mit einer vorbildlichen Dokumentation für die Benutzer (und nicht für die Entwickler) in Ringbuchformat zum Aufschlagen am Arbeitsplatz. Ringbuch reichte allein aber nicht aus. Die Inhalte waren auch für die Benutzer sinnvoll geordnet (task oriented). Das war damals eine Revolution und hat sich für Apple ausgezahlt. iPOD hat ja eine ähnliche Benutzerphilospophie. Da die Verlage sich in der Regel nicht um die Benutzer kümmern, verstehen sie diese auch nicht und können natürlich auch keine Bücher für Benutzer herausgeben. qed!

Patrick Schnabel - 5. Dez, 15:07

Möglichkeiten

Hin und wieder experimentieren die Verlage schonmal. Da kommen dann so Dinge zustande, wie "Netzwerke für Windows XP - Lösungen" von Data Becker. Dort sind die Überschriften wie Fragen formuliert. Also alles streng Anwendungs- und Lösungsorientiert. Nur dummerweise stösst man teilweise an Netzwerkprobleme mit Windows, die sich nicht durch eine einfache Frage formulieren lassen. Und was ist, wenn man eine Frage hat, die aber mit keiner der abgedruckten Lösungen lösbar ist? Im Nachhinein empfand ich diese Idee als unbrauchbar, weil der Anwender anhand dieses Buches sich keine Lösung erarbeiten kann.
Ich bin auch nicht sicher, ob die Verlage immer die Autoren für solche Experimente finden. Man kann mit sowas die Zielgruppe sehr stark einschränken. Und dann lohnt sich insbesondere für den Autor das Schreiben nicht mehr.
Es ist meiner Meinung nach also nicht nur die innovative Form, sondern auch die innovative Vermarktung notwendig. Wer ein gelungenes Konzept nicht im Markt platzieren kann, der bleibt erfolglos.
Ich bin auf sowas auch schon hereingefallen. Da hat der Verlag eine wirklich gute Idee gehabt. Eine Buch-Reihe für Ausbildungen im IT-Bereich. Davon sollte mein Buch über Mobilfunk eines von vielen sein. Von dieser Buch-Reihe ist leider nicht sehr viel zu sehen. Die Qualität der einzelnen Bücher weicht sehr stark voneinander ab. Das Hauptproblem ist die schnelle technische Entwicklung. Schon nach einem Jahr müssten man das eine oder andere Buch vollständig überarbeiten, weil es nicht auf dem neusten Stand ist. In der Ausbildung ein Unding.
Ein anderes Problem ist die Vermarktung. Ich verkaufe über Eigenregie mehr Bücher als der Verlag. Zudem sind die Bücher zu teuer. Die Zielgruppe, Schüler, Auszubildende und Studenten sind doch immer knapp bei Kasse. Die könnten sich die komplette Buchreihe niemals leisten.
Besser wäre es, ein digitales Konzept, bei dem der Käufer durch den Kauf eines oder mehrerer Bücher den Zugriff auf alle anderen Bücher für einen bestimmten Zeitraum erkauft. So hat er die wichtigsten Themen als Buch und gleichzeitig Zugriff auf die anderen Themen. Das könnten man dann gleichzeitig als Plattform für die Vermarktung der anderen Bücher nutzen.
Es liesen sich auch Themen mit einbauen, für die es sich nicht lohnt ein Buch zu drucken. Zum Beispiel, weil sie zu schnelllebig sind.

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